Warum kommt es zu Lieferengpässen bei Impfstoffen - Download

In vielen Ländern der Welt gehört die Impfprophylaxe zur staatlichen Gesundheitsförderung und Impfstoffe werden durch das Gesundheitssystem der Bevölkerung auf breiter Basis angeboten. Die Beschaffung dieser Impfstoffe erfolgt über verschiedene Mechanismen, wird jedoch durch das öffentliche Gesundheitssystem finanziert. In Österreich stellt sich die Situation anders dar. In Österreich ist das BMGF lediglich für die Beschaffung von Impfstoffen im Rahmen des Kinderimpfkonzeptes zuständig. Das „öffentliche“ Krankenkassensystem schließt explizit Impfstoffe von der Finanzierung aus. Es gibt eine Ausnahme im ASVG (§132c), die eine Bezuschussung  - bei FSME  - vorsieht. 

Eine Finanzierung bzw. Beschaffung über die öffentliche Hand impliziert, dass die Impfstoffe in der Bedarfsmenge definiert werden, dass Verträge mit Behörden, Gesundheitsinstitutionen, Regierungen bestehen. Diese Verträge müssen auch eingehalten werden. Für den Fall einer Impfstoffverknappung sind diese „vordefinierte“ Mengen prioritär auszuliefern und können nicht umverteilt werden (z.B. auf den Privatmarkt).

Die Erwachsenenimpfung bzw. Auffrischungsimpfung erhält in Österreich allerdings keine finanzielle Unterstützung seitens des Gesundheitssystems, daher muss der Impfwillige in Österreich die Kosten selbst tragen. Für den Privatmarkt gibt es keine Bedarfsmengen. Die Nachfrage ist durch Impfempfehlungen und andere Einflussgrößen stark variabel und stellt eine große Herausforderung für die Planung der Produktion und die Lagerung im Land dar.

Gegenwärtig ist der private Sektor durch die mangelnde Verfügbarkeit acP-hältiger Impfstoffe besonders betroffen. Zeitgleiche Empfehlungsänderungen mehrerer Nationen waren im Falle der gegenständlichen acP-Knappheit wahrscheinlich Hauptursache der stark gestiegenen Nachfrage und daher auch der Verknappung. Beide Hersteller arbeiten intensiv an der Verfügbarkeit, die Situation sollte sich in Kürze deutlich verbessern.

Impfstoffe sind global gesehen ein knappes Gut und folgen nicht den gleichen Entwicklungen, Zwängen und Gesetzmäßigkeiten wie andere Pharmazeutika. Es gibt keine Generikaanbieter und nur wenige globale Hersteller. Impfstoffe brauchen aus wirtschaftlicher Sicht konstante Rahmenbedingungen und ein stabiles Mengenumfeld (= Nachfrage). Produktionsprozesse sind nur über sehr lange Zeiträume hin skalierbar (5 – 10 Jahre), manche Impfstoffe benötigen schon in der Produktion bis zu 2 Jahre bis zur Fertigstellung. Rasche Änderungen in der Nachfrage durch Änderungen in nationalen und internationalen Impfempfehlungen sind produktionsseitig nicht kurzfristig ausgleichbar. Die Impfstoffindustrie arbeitet laufend an der Verbesserung interner Prozesse und der Optimierung der Kapazität.

Impfstoffe sind hochkomplexe biologische Arzneimittel mit besonders hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus unterliegen sie besonderes aufwändigen und strengen behördlichen Vorschriften und Auflagen, was die Möglichkeiten der Firmen auf Nachfrageänderungen rasch zu reagieren massiv einschränkt (z.B. in epidemischen oder pandemischen Ausbruchssituationen oder bei Veränderungen von Impfprogrammen). Eine  Vielzahl an komplexen regulatorischen Anforderungen durch eine wachsende Zahl nationaler Behörden verhindert oft die rasche Umsetzung von Optimierungsbemühungen seitens der Hersteller.

Lieferengpässe und Verknappungen bei pharmazeutischen Produkten und Impfstoffen sind ein globales Problem und brauchen ein Zusammenwirken von globalen, nationalen und lokalen Kräften. Als Impfstoffhersteller benötigen wir die Zusammenarbeit und den Dialog mit Gesundheitsbehörden, politischen Entscheidungsträgern, Gesundheitsexperten und lokalen Ländervertretern. Ziel muss sein, dass man für die Herausforderungen bei der Produktion, der Beschaffung und der Distribution gemeinsam Lösungen findet. Um die Versorgung von Impfstoffen in der Zukunft besser koordinieren zu können, braucht es daher aus unserer Sicht eine Zusammenarbeit mit allen beteiligten Schlüsselstellen im Gesundheitswesen (BMGF, Großhandel, Apotheken, Impfstellen).